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Bachelorarbeit zu unserer inklusiven Therapiegruppe KuL überreicht

Wie Kinder gemeinsam lernen und sich weiterentwickeln:

Bachelorarbeit zu unserer inklusiven Therapiegruppe KuL überreicht


Im Frühsommer 2015 wurde an unserer Stelle ein neues Projekt, gefördert durch die aktion mensch, begonnen: Eine Therapiegruppe für Kinder aus zwei unterschiedlichen Hilfebereichen, nämlich der Jugendhilfe (Erziehungsberatung/EB) und dem Behindertenbereich (Bischof-Wittmann-Schule - Förderzentrum Geistige Entwicklung/BWS). Das Ziel war eine inklusive ganzheitliche gemeinsame Förderung von Kindern aus beiden Bereichen. Bei KUL wurden deshalb Elemente aus der Kunsttherapie, der klientenzentrierten Kindertherapie und der Ergotherapie eingesetzt. Gruppenleiterinnen waren Frau Adelgunde Stubenrauch, Ergotherapeutin der BWS, und Frau Ebba Piplack, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin der EB. Durch die Gruppe sollten neue Erfahrungen für Kinder und Therapeutinnen möglich werden und Grundlagen für weitere inklusive und kooperative Angebote in dieser Richtung geschaffen werden.

Sechs Kinder im Vorschul-/Grundschulalter - drei aus der Förderschule und drei aus der Erziehungsberatung - trafen sich 15 Mal jeweils 1.5 Std. im Zeitraum März bis Juli 2015 in einem Atelier/Kunstraum an der Förderschule. Die Gruppe wurde durch Camilla Lautner, eine Studentin der sozialen Arbeit der Katholischen Universität Eichstätt/Ingolstadt begleitet und evaluiert.

Ziele für die Kinder in der Gruppe waren vor allem eine Förderung der Selbst- und Fremdwahrnehmung, der Kommunikation und des Ausdrucks von Gefühlen und Bedürfnissen sowie die Entwicklung von Konfliktlösefähigkeiten. Durch die Schaffung von eigenen Werken sollte das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit gestärkt werden. Durch das gemeinsame Tun und die Erfahrungen in der Gruppe sollte das Gefühl von Zugehörigkeit entstehen und Solidarität und Rücksicht gefördert werden.

Frau Lautner erstellte im Rahmen einer Bachelorarbeit mit dem Thema „Der Beitrag der themenzentrierten Interaktion (TZI) zur Inklusion von Kindern mit Behinderung – Beobachtungen und Auswirkungen des Modellprojektes Kunst und Lernen (KuL)" eine hervorragende theoretische Einbettung des Gruppenangebotes sowie eine genaue Analyse des Entwicklungsfortschrittes eines jeden einzelnen Kindes in der Gruppe.

Die Eindrücke aus dem Gruppenverlauf stellen sich so dar:

Die Kinder haben an Selbstvertrauen gewonnen und fühlten sich in der Gruppe sehr wohl. Nach einiger Zeit trauten sie sich zu vor der Gruppe (im Begrüßungskreis, bei der Kunstwerkvorstellung) frei zu sprechen und zu erzählen. Die Teilnehmer lernten, Rücksicht aufeinander zu nehmen und sich gegenseitig zu akzeptieren, zu helfen und Konflikte zu lösen. Durch die Arbeit mit verschiedenen Kunstmethoden wurden die Kinder auch im motorischen Bereich sehr gefördert. Sie arbeiteten zum Teil auch über zwei Gruppeneinheiten an Werken, was eine hohe Konzentration erforderte, da sich die Kinder an ihre Ideen der letzten Stunde erinnern mussten. Es war zu merken, dass die Kinder sich gerne künstlerisch betätigen und die Gruppe den geeigneten Rahmen bietet. Das Ziel der Inklusion wurde in diesem Rahmen erreicht: Die Kinder begegneten sich zunehmend selbstverständlich und profitierten voneinander.


Bild v.l.:  Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, Camilla Lautner, Ebba Piplack

Frau Lautner überreichte Ihre Ergebnisse und die Arbeit im April 2016 an Frau Piplack und Herrn Dr. Scheuerer-Englisch. Beide dankten ihr sehr herzlich – auch im Namen von Frau Stubenrauch - für ihre engagierte Arbeit. Dr. Scheuerer-Englisch freut sich über die gute Kooperation mit der Universität Eichstätt – sowohl durch die Entsendung von Praktikantinnen an die Beratungsstelle, als auch die Betreuung von Bachelorarbeiten, die die Praxis in der Erziehungsberatung zum Thema haben. Die vorliegende Arbeit wurde von Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Erath betreut.

Die Erfahrungen aus dieser ersten Gruppe geben Anlass zum Optimismus: Kinder und Fachleute können sehr von dem inklusiven Vorgehen profitieren. Es wurde aber auch deutlich, dass es trotz des positiven Gesamtverlaufes der Gruppe und des Projekts erhebliche weitere Anstrengungen auf verschiedenen Ebenen, z. B. der Finanzierung, dem Verständnis von Therapie und Förderung in den beiden Bereichen, der konzeptionellen Weiterentwicklung und Bewusstmachung der Vorteile eines inklusiven therapeutischen Vorgehens, bedarf, um ein solches Angebot Normalität werden zu lassen.